Ekel vorm Mitbewohner im Kühlschrank


Die Suche nach der geeigneten WG ist ein steiniger Weg und das WG-Casting mag nicht selten vor einer  Mitbewohner-Jury mit Dieter-Bohlen Besetzung stattfinden. Denn nur die Harten kommen in den Garten.
Wer nicht mehr bei Mutti lebt, kann auch nicht erwarten, dass die Töpfe immer gespült und der Kühlschrank gefüllt ist. Durch die WG-Schule muss jeder durch, früher oder später. Doch was tun, ist man erstmal drin?

Die Informationsvermittlung innerhalb der WG beschränkt sich seit Menschengedenken auf  kleine Zettelchen, wenn es sich um Unangenehmes handelt: “Du hast deine Haare im Sieb vergessen” oder ” Die Keime in deinem Kühlschrankfach haben mir heute einen “Guten Morgen” gewünscht”. Letzteres muss nun nicht mehr länger Ursache für eine WG-Krise sein und könnte möglicherweise auch die WG-Kommunikation revolutionieren: der modulare Flatshare-Kühlschrank sagt dem handelsüblichen keimigen WG-Kühlschrank den Kampf an.

Der “Flatshare”-Kühlschrank besteht aus individuellen Teilen: Auf einer Basisstation lassen sich einzelne Kühlschrank-Teile stapeln. Jeder Bewohner erhält seinen eigenen Kühlraum, für den er selbst verantwortlich ist. Jeder Kühlschrank-Teil lässt sich  individuell mit bunten Skins gestalten und mit Add-ons - wie etwa mit Flaschenöffnern - erweitern. Der Flatshare-Kühlschrank ist Gewinner des Electrolux Design Lab  2008. Stefan Buchberger, der an der Wiener Universität für Angewandte Kunst studiert, setzte sich mit seiner Konzeption eines WG-Kühlschranks  unter 600 Einsendungen von Design-Studenten aus 49 Ländern durch. Die Idee entstand, da er sich vor dem eigenen Kühlschrank ekelte.
Prost Mahlzeit!


Post to Twitter



Ein Volk mit Falten


Ein Hilfeschrei: “Junge Leute, kommt in diese Stadt” titelt die Berliner Zeitung heute. Berlin wird immer älter. Damit Jung und Alt zusammen kommen, plant die Berliner Landesregierung Anfang April eine Beratungsstelle für generationenübergreifendes Wohnen zu öffnen. Dort können Berliner, die ein Mehrgenerationenhaus oder eine Wohngemeinschaft für Senioren planen, Tipps erhalten.

Junge Menschen sollen nach Berlin nicht nur zum Studium oder zum Praktikum kommen, sondern anschließend auch in der Stadt bleiben und beispielsweise eine Firma gründen. In dem Punkt steppt der Bär noch. Die “Jungen Kreativen” bleiben in Berlin kleben. Was dabei rum kommt, ist zumindest die Auszeichung für Berlin als deutsche “Start-Up Hauptstadt”. Derzeit verlassen viele nach ihrer Ausbildung Berlin. Laut Bevölkerungsprognose wird die Bevölkerungsgruppe junger Erwachsener zwischen 18 und 25 Jahren um ein Fünftel abnehmen. Horrorszenario? Nein, man kann darin auch das Positive sehen: im Gesundheits- und Dienstleistungswesen werden viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Dennoch etwas zynisich klingt der abschliessende Satz in der “Berliner Zeitung”:  “Offen ist, ob der Senat auch in konkrete Bauprojekte - beispielsweise in den Umbau von Kitas, die nicht mehr gebraucht werden, zu Seniorenheimen - investieren wird.”

Post to Twitter



Luxus-Kommune-Web 2.0


713 Freundschaften, 1766 Schnitzel, 16277 Becks, drei Kinder und zwei Scheidungen. So lauten die harten Facts nach 3 Jahren WG-Leben der grössten Wohngemeinschaft Deutschlands und mit Sicherheit auch der luxuriösesten.

Hier scheint der Spaß-Faktor in der Monatsmiete inbegriffen zu sein: Neben WLAN und Miele-Haushaltsgeräten, geniessen die Mitbewohner den Service eines Wäschedienstes, einer Putzfrau und eines Kochs. Whirlpool und Sauna stehen der Gemeinschaft zur freien Verfügung. Die Entfernungen in den über 1000 qm großen Appartements zu überwinden, hilft stilgerecht ein Fortbewegungsmittel der besonderen Art, das Segway, ein elektrisch betriebener Roller im Stückwert von 7000 Euro. Hinzu kommen 120 Fahrräder, Kleintransporter und Motorroller. Bei einer Monatsmiete von durchschnittlich 300 Euro pro Zimmer, kann so mancher Student nur neidisch werden. Sogar der Sonntags Brunch wird frei serviert.

Die ehemaligen Räume eines Architektur Büros und einer Bank sind nun von Menschen zwischen 18 und 48 Jahren bevölkert, die keine Lust haben alleine zu wohnen und auf Privatsphäre zugunsten von gemeinsam organisierten Ibiza-Urlauben und “WG-Parties” im ganz grossen Stil verzichten. Die 89 Bewohner verteilen sich auf drei WGs in drei Gebäuden. Die WG-Leiter kümmern sich um das Wohl.

Die A-Street lautet der Name einer der 5 Sterne-WGs, da diese in der Düsseldorfer Augustastraße liegt. Hier scheint es zwischen Designermöbeln und Luxus Hifi-Geräten nicht langweilig zu werden. Das soziale Netzwerk ist bereits für die ersten Monate in der neuen Stadt gesichert. Und da es sich wahrscheinlich positiv auf den Gemütszustand auswirkt, statt über den Putzplan über Saunaaufgüsse zu diskutieren, sind die Bewohner von dem WG-Konzept hell auf begeistert.

Was ist nun das Geheimnis? Das Businessmodell ist bereits ausgezeichnet. WG Cafè oder WG now, so der Name der Betreiber, sucht schwer vermittelbare Objekte ab 700qm in zentraler Citylage deutscher Großstädte, die den gewünschten Kaufpreis nicht erzielen würden, zum Kauf oder Miete. Interessierte Eigentümer werden als Partner zur Umsetzung der aussergewöhnlichen Wohnform beworben. In einer Pressemitteilung lautet die Selbstbeschreibung wie folgt: “Das WG Café setzt in beispielhafter Weise die Megatrends New Work, Mobilität, Globalisierung und Indvidualisierung um”.

Urvater ist Klaus Moskop, der von vielen weniger als knuffiger WG-Papa denn als übertüchtiger Geschäftsmann gesehen wird. Es ist nicht alles Gold, was gänzt, laut einiger Berichte.

Derzeit lädt die Wohngemeinschaft ein 68er Redaktionsteam zum Einzug für mindestens sechs Monate ein. Projekt ist die Gründung einer YouTube-WG in der Zoovilla. Weitere WG-Gründungen sind in Köln geplant.

Post to Twitter