Lebst du schon oder wohnst du noch?


Die alte Frage, die unser aller Standard-Wohnphilosoph IKEA schon hinausrief: “Wohnst Du noch oder lebst Du schon?” Wie hallt das Echo zurück?

Machen Dich Deine vier Wände glücklich? Diese Frage haben einige Marktforscher von Gewis gestellt - ausschließlich an Frauen. Die Annahme Frauen hätten naturbedingt einen besseren Sinn für Ästhetik, scheint sich hartnäckig zu halten.

Fühlen sich die Manner vernachlässigt? Bitte zurückrufen: “Ich lebe schon!” Was sie zu dieser Annahme bewegt, hätte ich dann aber schon gerne gewusst. Die Argumentation: “Ich spüle einmal in der Woche” wäre schwach. Frische Schnittblumen und gesunde Pflanzen sind schon eher ein Pluspunkt für eine lebendige Wohnung. Oder aktive IKEA-Hacker bitte zu Wort.

Zurück zu den Ergebnissen der Umfrage: 84 Prozent der Frauen verrieten, dass eine schöne Wohnung für sie ein wesentlicher Bestandteil zum Glücklichsein sei. Rund 78 Prozent haben sehr genaue Vorstellungen davon, wie sie sich einrichten möchten, es fehlt ihnen jedoch Zeit oder Geld. Der Feind einer schicken Wohnung sind die üblichen Laster einer Frau: Kleidung, Accessoires, Reisen und Ausgehen. Dafür geben nämlich 26 Prozent lieber Geld aus, als für die Wohnung

Neun Prozent sehen ihre Wohnung nur als einen Ort zum Schlafen. Ihnen ist es daher egal, wie sie aussieht, berichtet die Zeitschrift Elle. Sprechen da die “hard working women” unter uns?

via Sueddeutsche

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Stammesgesellschaften im Internet


Social Networks verändern unsere Art miteinander zu kommunizieren. Darin schienen sich alle einig. Doch nun stellt sich heraus, dass wir auf Myspace, StudiVz und Co. unseren tief verwurzelten Urinstinkte nachgehen. Das Gruscheln und Poken, die ständige Suche nach neuen Freunden und Gemeinsamkeiten ist letztlich mit alten Mustern oraler Kommunikation verknüpft, die Basis jeder menschlicher Erfahrung ist. Die Ausdrucksmöglichkeiten, die uns innerhalb dieser Netzwerke angeboten werden, erinnern dabei eher an orale als schriftliche Kommunikation. Orale Kommunikation ist also der Klebstoff, der Gemeinschaften zusammenhält. Soweit klar und nicht neu. Das Internet ist oral.

Was mich interessiert ist, warum so mancher Myspaceler Freunde sammelt, wie meine Großmutter zu damaligen Zeiten Briefmarken?

Die Ethnologie zieht Parallelen zu Stammeskulturen. Identitäten bilden sich durch die Reflektion der anderen aus. Der Mensch definiert sich darüber, mit wem er befreundet ist. Kann ich nun meinen Social Graph, der an die 360 Freunde zählt noch mit ein paar Stars garnieren, wie auf Myspace möglich, bin ich jemand.

In StudiVz wären demnach auch die klangvollen Gruppennamen wie „Günthers Jungs mit Nackenspoiler“ identitätsstiftend.

Facebook stellt uns dank Applications einiges an Werkzeug zur Verfügung, damit wir unseren Trieben nachgehen können. Facebookler vergleichen, fordern heraus oder schenken. Auch hier erkennt die Wissenschaft eine Übertragung stammeskultureller Rituale in unsere virtuellen Gemeinschaften. Nur weniger formell.

Der Drang auf sich aufmerksam zu machen oder sein Profil aufzuhübschen ist also reine Existenzangst? Nein, da besteht nämlich der kleine feine Unterschied, sagt die Ethnologie: die Freundschaften, die wir im Internet knüpfen sind von wesentlich geringerer Bedeutung als die in Stammeskulturen, innerhalb derer sie Überlebensnotwendigkeit darstellen.

Da kann das Web 2.0 noch so futuristisch wirken und uns mit wohlklingenden Applikationen überhäufen. Alles schon gewesen. Die Plattform ist nur eine andere.

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Dann klappts auch mit dem Nachbarn


trump Dann klappts auch mit dem Nachbarn

Der moderne Großstadtmensch läuft ständig Gefahr sich in der Anonymität zu verlieren. Nun lebt man jahrelang Tür an Tür und kennt vom Nachbarn vielleicht nur den Namen auf dem Klingelschild oder dessen schlechten Musikgeschmack. Ein nicht seltenes Phänomen, dem man eigentlich nicht weiter Beachtung schenkt.
Die Marktforschungsstudie der GIM „Delphi 2017 – Future Values“ prophezeit wie die Menschen in Zukunft denken, fühlen und handeln. Zwei Punkte, welche die gesellschaftliche Evolution bezeichnen, hab ich hier herausgegriffen:

· Die Menschen sind wieder bereit, sich auf soziale Gemeinschaft einzulassen, allerdings ohne zu viel Freiheit aufgeben zu wollen.

· Sie streben nach Unabhängigkeit in Gemeinschaft, nach einer “embedded individuality”.

· Die Menschen bilden situative Allianzen. Anstatt gegeneinander zu arbeiten, gehört die Zukunft dem Miteinander: Kooperation, Dialog und Vernetzung lauten die neuen Schlüsselprinzipien.

· “Creating Lifeholder Value” bedeutet, mehr Selbstbestimmung durch die aktive Gestaltung seiner Umwelt gemeinsam mit anderen.

Das sind zwei interessante Vorhersagen, die Rückschlüsse auf die zukünftige Bedeutung von Social Networks zulassen.
Wie das typische Nachbarschaftsverhältnis der Zukunft aussehen könnte, deutet sich bereits jetzt ab. Das US-Portal LifeAt versucht das nachbarschaftliche Miteinander innerhalb eines Wohnblocks zu fördern. Die New Yorker Firma spricht die Hausverwalter geeigneter Objekte direkt an. Die Exklusivität wird durch eine einmalige Startgebühr von 6000 Dollar gesichert, welche eine Homepage mit dem geeigneten Grundzeug zur Verfügung stellt. Die Nutzung ist passwortgeschützt. Die Inhalte sind von den Bewohnern selbst erstellt, werden allerdings von Mitarbeitern überprüft. Interessant scheint dies auch wiederum für zielgruppengerechte Werbung. Denn die Bewohner einer Wohngegend teilen sich einen gemeinsamen sozialökonomischen Hintergrund. Die Nachbarn können ihre Erfahrungen austauschen: über alltägliche Probleme wie der fehlenden Beleuchtung im Treppenhaus, der Wäscherei ums Eck oder dem letzten Restaurantbesuch. Sicherlich ist das eine Nachbarschaftshilfe, die sich manch Neuankömmling wünscht, um sich in seinem Umfeld zurechtzufinden.
So ist der Trump Plaza einer von 335 Gebäuden in den USA, die diese besondere Art der Nachbarschaftshilfe in Anspruch nimmt. Den lieben Nachbarn kennen lernen ohne ihn wirklich treffen zu müssen. Intime Anonymität.

Ein solches Netzwerk sollte jedoch nicht vor einem persönlichen Treffen schützen. Hat man den „passenden“ Nachbarn gefunden, der den Waschsalon in der Parallelstrasse empfiehlt hindert nichts daran, ihn bei einer Tasse Kaffe persönlich kennen zu lernen, während die Kleidungsstücke in der Wäschetrommel rotieren.

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