Berlin goes Chic


Berlin wandelt sich zur Elbchaussee mit italienischem Flair - ungewollt. Inmitten von Plattenbau und Kreuzberger Multikulti-Alternativ Szenekiez schiessen Luxuswohnungen aus den Berliner Baulücken. Italienische Regisseure dienen als Namensgeber des unbekannten neuen “High-End-Komforts” mit “höchstem Anspruch”, für den der Berliner erst noch Worte finden muss. Wahrscheinlich würde “Yuppie”  eines davon sein. Ein anderes, das sich noch stärker nach Abwertung anfühlt, würde wohl folgen.

Die Fellini Residences – der Versuch, italienische Lebensart in Berlin zu etablieren, scheint etwas zu ehrgeizig. Mutig dennoch. So Fazit des Berichts  zur Penthouse-Besichtigung der FAZ: das „Palladio“, ein Neubau an der Ecke von Niederwallstraße und Kleiner Leipziger Straße. “Es ist nicht einfach, einen auf Beverly Hills oder Fiesole zu machen, wenn die Welt, auf die man schaut (und irgendwie geht es bei Dachterrassen ja immer um den schönen Blick) so gar nicht mitmachen will.

Dolce Vita an der Spree, ein Hauch von Elbchausee, neuer Altbau-Charme – doch egal mit welchen Schlagworten man den Berliner auch bezirzt – er traut dem Braten nicht.
Angst mischt sich in die Berliner Luft. Vielleicht würde sich die Luft wieder etwas reinigen, wenn dem Berliner nicht ständig die Vorstellung aufgedrückt würde, er müsse sich als Italiener verkleiden. Das liegt
ihm nämlich garnicht. Entdecken Sie Italien mitten in Berlin? “Warum sind se denn in Berlin, koofen se sich n Fluchticket und denn ab dafür”, würde die Berliner Schnauze auf diese Aufforderung der Fellini Residences wohl antworten. Doch wen juckts?
Die Häuser seien nicht gerade für die sozial Schwächsten konzipiert, wie es der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann vorsichtig formuliert. Verkaufspreise zwischen 4500 und 7000 Euro pro Quadratmeter, teilweise sogar 9500 Euro locken die finanzkräftige Elite aus Botschaftsangehörigen, Geschäftsleuten und Kulturschaffenden an. Viele kommen aus dem Ausland. Zum Beispiel aus Skandinavien, Großbritannien, Irland und Israel.
Ende 2009 entstehen zehn Stadtvillen, jede mit Tiefgarage, mit Portier und dezenter Videoüberwachung – der Diplomatenpark von Groth.

Nach langen Jahren des Jubels um Berlin als kreative, junge und undefinierte Hauptstadt mit vielfältigen Möglichkeiten, die in fertigen Städten bereits verbaut sind, ist der Hype angekommen. Das Allensbach-Institut erstellten Studie habe sich Berlin als besonders attraktives Pflaster erwiesen: Fast jeder Vierte wolle am liebsten selbst in Berlin wohnen, habe die Befragung des einkommensstärksten Viertels der deutschen Bevölkerung ergeben. Und viele würden ohnehin gern in Immobilien investieren.

Alle wollen nach Mitte: 3,5 Milliarden Euro wurden dort investiert. Dicht gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, wo Grundstücke und Immobilien im Wert von 2,6 Milliarden Euro gehandelt wurden. In den neuen hippen Szenekiezen Friedrichshain-Kreuzberg und in Pankow/Prenzlauer Berg sind immerhin 1,1 Milliarden geflossen.

Und was wollen die Berliner?

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Ein Volk mit Falten


Ein Hilfeschrei: “Junge Leute, kommt in diese Stadt” titelt die Berliner Zeitung heute. Berlin wird immer älter. Damit Jung und Alt zusammen kommen, plant die Berliner Landesregierung Anfang April eine Beratungsstelle für generationenübergreifendes Wohnen zu öffnen. Dort können Berliner, die ein Mehrgenerationenhaus oder eine Wohngemeinschaft für Senioren planen, Tipps erhalten.

Junge Menschen sollen nach Berlin nicht nur zum Studium oder zum Praktikum kommen, sondern anschließend auch in der Stadt bleiben und beispielsweise eine Firma gründen. In dem Punkt steppt der Bär noch. Die “Jungen Kreativen” bleiben in Berlin kleben. Was dabei rum kommt, ist zumindest die Auszeichung für Berlin als deutsche “Start-Up Hauptstadt”. Derzeit verlassen viele nach ihrer Ausbildung Berlin. Laut Bevölkerungsprognose wird die Bevölkerungsgruppe junger Erwachsener zwischen 18 und 25 Jahren um ein Fünftel abnehmen. Horrorszenario? Nein, man kann darin auch das Positive sehen: im Gesundheits- und Dienstleistungswesen werden viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Dennoch etwas zynisich klingt der abschliessende Satz in der “Berliner Zeitung”:  “Offen ist, ob der Senat auch in konkrete Bauprojekte - beispielsweise in den Umbau von Kitas, die nicht mehr gebraucht werden, zu Seniorenheimen - investieren wird.”

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Bushido Immobilien


Deutschlands patentierter Gangsta-Rapper Bushido macht in Immobilien.Und seine Mitarbeiter müssen Puschen tragen. Sonst wird es schmutzig und das mag der Bushido gar nicht, denn er ist gerne Spiesser. Deshalb wohnt er jetzt auch zwischen Blümchentapete und den “fetten” Villen der FU-Professoren in Dahlem-Zehlendorf.

Außer in Puschen durch die Flure des Büros im Kreuzberger Backsteinhaus zu schleichen, hoffen Bushidos Mitarbeiter auf einen schwarzen Mercedes CL mit extradicken Felgen. So einer, wie der Boss ihn fährt.

Maxime der Geschäftsführung: Jeder haftet für sein Wort. Es bleibt also Straße.

P.S.: Sind Immobilien nicht voll uncool, Bushido? Nö, ob Dönerbude oder Sportschuhgeschäft:

Die geilste Droge von allen ist Geld!

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Dolce Vita an der Spree


“Was ist falsch an diesem Bild?” oder “Vorsicht Falle” könnte der folgende Beitrag auch lauten, der aufklärerischer nicht sein könnte:

Wer den Unterschied zwischen “Kietz” und “Kiez” nicht kennt oder als Wohnungssuchender in Kreuzberg nicht in die Nähe des Potsdamer Platzes ziehen möchte, dem sei geraten den Post “Nützliche Tipps für Immobilienmakler” von Johnny Haeusler in Spreeblick zu lesen und sich gut vorzubereiten.

Noch zwiespältiger sind nur Ortsangaben wie „City-Nähe“, denn nicht selten meinen diese, dass man vom Objekt aus zwar die Spandauer Innenstadt (für Nicht-Berliner: Spandau gehörte mal gar nicht zu Berlin und sowohl die Spandauer als auch die restlichen Berliner bedauern, dass das irgendwann geändert wurde) innerhalb einer halben Stunde erreichen kann, wenn man über einen Privatjet verfügt, man jedoch ebenso gut, aber in kürzerer Zeit, nach Hamburg laufen könnte.

Und noch einer:

So steht das Attribut „repräsentativ“ als Synonym für „überteuert“, eine „stilvolle“ Immobilie ist außen frisch gestrichen (merke: nicht gestrichene Objekte sind „Klassiker mit Charme“, die haben also was, zum Beispiel Schimmel) und „individuelle“ Objekte „mit Flair“ verfügen über einen escheresken Grundriss.

Und bitte nicht vor der Wohnungsbesichtigung bei Betreten des Mahagoni ausgeschlagenen, historischen Aufzugs k…..

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