Post-Its klebe ich gerne an jeden frei verfügbaren Platz: manche erinnern mich an unerledigte Dinge (Schreibtisch) und wenige tragen aufmunternde Shakka-Sonnenscheingesichter (Kühlschrank), die mir nach dem morgendlichen Kaffee als Aufputscher für den Tag dienen, andere helfen beim Spanisch-Lernen und verraten mir den Namen des Gegenstands auf dem es klebt (Stuhl - la silla). Warum sind Post-Its so beliebt (auch wenn altmodisch)? Sie sind flexibel, mobil und passen sich jeder Umgebung an: sie finden überall ein Plätzchen.
Zur Zeit läuft eine Ausstellung im CCCB Barcelona, dessen Name den Eigenschaften des Post-Its abgeleitet ist: “Post-It City. Occasional Urbanities”. Auch die Stadt bietet Freiflächen. Diese freien oder undefinierten Plätze bieten für verschiedene Gruppen Raum - Raum, der besetzt wird, um ihn nach den eigenen Bedürfnissen umzugestalten.
Wer durch seine Stadt spaziert, kann an der ein oder anderen Ecke solche Formen der urbanen Besetzung durch die Allgemeinheit entdecken. Die temporäre Nutzung öffentlichen Raumes hat viele Gesichter, manche sind skurril und komisch, andere stimmen uns traurig. Post-Its erzählen von den Mängeln und den Bedürfnissen der Bewohner - je nach Struktur der Stadt sind sie unterschiedlich.
Entgegen aller Hygiene-Vorschriften, dem islamischen Diktat und moderner Stadtpläne wohnen Menschen nach guter Recycling-Manier weiterhin auf den Friedhöfen Kairos.

Foto: s.CCCB Exhibition Post-It City
Kaum eine andere Stadt wie Berlin bietet so viel Freiraum, um sich zu entfalten. Am Wochende treffen sich türkische Familien und Freunde zum Sonntags-Barbecue. In dem weit westlich gelegenen Wromänner-Park wird ein illegaler, aber tolerierter Obst- und Gemüsemarkt von Vietnamesen und Chinesen betrieben.
Die Besetzung des öffentlichen Raumes konnte ich heute in Barcelona beobachten: die ganze Stadt gleicht einem Rosen-Verkaufsstand: auf Bürgersteigen, vor Schulen, neben Postkästen stehen selbstgebastelte “Pop-Up-Stores”. Des Rätsels Lösung: heute ist St. Jordi.

Foto: Carmen Bazan Lazaro
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