Ein Mittel gegen Heimweh? Eine Runde „Schöttbullar“ bei Ikea. Ich kann nicht erklären woran es genau liegt. Ein Grund ist mit Sicherheit, dass Ikea überall gleich ist. Ikea ist Ikea und das egal wo du bist, ob in Deutschland, Spanien oder Malaysia. Das schwedische Möbelhaus hat die Welt erobert.
Nun könnte ich natürlich dagegenhalten, dass ähnlich globalisierte Unternehmen wie H&M, die auch aus dem hohen Norden kommen, nicht solche heimische Gefühle bei mir hervorrufen, und dass meine Wohnung auch noch nie ein Plagiat aus dem Ikea-Katalog war. Ich tippe darauf, dass es an der freundlichen Mitarbeiterin hinter dem Tresen der IKEA-Frühstücksbar liegt, die mir mit einem so ausgelassenen Gesichtsausdruck in aller Ruhe ausführt, was denn der Unterschied zwischen den Safthähnen mit der Aufschrift „Orange“ und „Naranja“ ist.
Die Ikea-Philosophen übermitteln uns via IKEA-Katalog gesellschaftliche Werte, wie Multikultur, Kinderliebe und Geselligkeit. Bei IKEA ist die Welt noch in Ordnung. Und IKEA ist greifbar, wie Ildikó von Kürthy feststellt: „Anders als Modeschauen von Gucci und Kochbücher von Paul Bocuse verführen Ikea-Kataloge nicht zum Träumen vom Unerreichbaren. Diese Möbel aus Schweden sind so real, so erschwinglich, so vernünftig.“ Wir sind alle gleich, suggeriert uns die Welt von Ikea. Billy ist schliesslich in jedem standesgemässen Studentenwohnung und auch Familienwohnzimmer daheim.
Die IKEA Botschafter bringen uns doch gerne immer wieder zum Lachen, vornehmlich mit ihrer kreativen Namensgebung. Die Artikel erhalten nicht schlicht eine kalte Nummer, sondern lustige Namen. Poäng, Lekvik oder Hemnis rufen bei dem ein oder anderen wohl Assoziationen hervor, die so garnichts mit Lampen- oder Stuhlmodellen gemein haben. Weniger die Namensgebung als vielmehr die Namensfindung gibt immer wieder Anlass, halbseidene Theorien aufzustellen, die den Versuch darstellen, das System zu dekodieren. Ja, es steckt System dahinter, wie hinter allen Produkten und Bauanleitungen der schwedischen Möbelkette. Nein, alle Anhänger der Cannaboiden-Theorie (Ikea-Manager sitzen in einem kleinen Kämmerchen und werfen sich in einer Art Rauschzustand neue Wortschöpfungen an den Kopf) werden enttäuscht sein. Schauplatz ist der Konzernsitz im schwedischen Älmhult, dort werden die Namen erfunden.
Nun wird die Abteilung und ihre kreative Arbeit Gegenstand einer emotionalen Debatte, die die Kopenhagener Universität ins Rollen gebracht hat. Der Kommunikationswissenschaftler Klaus Kjøller behauptet, dass sich die Schweden vertreten durch Ikea über die Dänen lustig machen wollten. Warum? Fußabstreifer, Läufer, billige Teppiche tragen die Namen dänischer Ortschaften, wie Helsingør und Roskilde. Und was macht man mit Fussbelägen? Draufrumtrampeln. Klarer Fall von „schwedischem Imperialismus“. „Türmatten und Läufer sind drittklassig, wenn nicht siebtklassig im Rahmen der Wohnungseinrichtung. Tiefer als ein Fußbodenbelag geht ja eigentlich gar nicht”, kritisiert Klaus Kjøller.
Aber auch die Dänen sind ein lustiges Völkchen und wissen zu kontern: Carlsberg solle seinen alkoholfreien Bieren schwedische Ortsnamen geben. Und dann ist alles wieder gut und Friede kehrt auf dem idyllischen Fleckchen Erde ein, an dem Fleischbällchen auf Bäumen wachsen.
Via taz












5 Comments, Comment or Ping
Nachbarbashing im nordischen Stil! Da koennen sich die Piefkes und Schluchtensch….. ein Beispiel dran nehmen! Ein nettes Völkchen diese Wikinger!
…übrigens das neue Design finde ich äußerst gelungen. Da macht das Lesen gleich noch mehr Spaß.
Januar 29th, 2009
Cool geschrieben,
ich hoffe dass Cardigans, Roxette, The Hives u.a. die nächste Schritten machen. Der Pop-imperialismus ;-)
Januar 29th, 2009
Hi Kirsten,
Hey das ist ja echt ein cooles neues Blog-Design, dass Du jetzt hast, gefällt mir gut!
LG
Tom
Januar 29th, 2009
Hey Kirsten, jetzt verstehe ich : ). Cool! Jaja, das web 2.0. LG, Inga
Januar 29th, 2009
Jetzt hats auch Spiegel Online aufgenommen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,539277,00.html
Januar 29th, 2009
Reply to “Ikea verärgert Dänen mit kuriosen Produktnamen”