Eine besonders geeignete Beschäftigung zur Unterhaltung in der Krisenzeit ist das Guerilla Gardening. Es ist umsonst und drückt Protest aus, kanalisiert in grünen Bahnen, gesäumt von Sonnenblumen.
Teufelchen und Engelchen halten beim Guerilla Gardening Händchen, ist es auf der einen Seite ein Weg, den eigenen Lebensraum aufzuwerten und auf der anderen illegal und per Gesetz Sachbeschädigung. Die Flächen der grünen Attacke sind öffentlicher Raum: Verkehrsinseln, Bürgersteige und sonstige vergessene Flecken im urbanen Beton-Einerlei. Dies befördert das sonst so friedvolle Gärtnern zum Guerilla Akt, denn es macht ebensolche Taktiken notwendig, um erfolgreich zu sein. Vom verführerischen Flair abgesehen, könnte man eigentlich meinen, der Schreber-Garten erobere den öffentlichen Raum. Schließlich haben die kriegerischen Gärtner genauso die Selbstversorgung im Hinterkopf wie ihre weniger hippiesken Vorgänger. Auch der Revoluzzer träumt von der Zucchini-Ernte - nur vor dem Hotel Atlantik.

Der Blumenuntergrund ist in der New Yorker Szene verwurzelt. Dort sind die Guerillos wie auch in London bereits gut organisiert. Hier zu Lande muss sich der Samenleger noch alleine durch das städtische Dickicht schlagen. In Berlin gibt es erste gemeinschaftliche Begrünungsaktionen und die Verwaltung begrüßt die kostengünstige Instandhaltung ihrer Flächen, die sie über Patenschaften zu kontrollieren versucht.
Der Anführer der Gartentruppen ist Richard Reynolds, der sein botanisches Manifest als Handbuch in neuer Auflage nun auch in Deutschland rausbringt. Auch über Twitter berichtet er live von der vordersten Blumen- und Gemüsefront. Auf seiner Webseite Guerrillagardening.org verrät er in einem kleinen “How-to” die Grundsteine für eine gelungene grüne Adoption verwaister Lücken in der eigenen Nachbarschaft. Einer seiner bekanntesten Coups ist die Erfindung des kalifornischen Rezepts für Samenbomben. Klein und fein lassen sich diese handlichen Grünmacher in der Hosentasche verstauen, während man mit unschuldiger Miene die öden Flecken abscannt, auf die sodann eine kleine Samenbombe fällt. Doch auch hier heißt es Verantwortung zu zeigen und die befruchteten Flächen regelmäßig zu wässern.

Ein weiterer Tipp von Reynolds ist die Tarnung der weiblichen Gärtner als Daisy Duke, ohne deren Begleitung man keine nächtliche Aktion starten sollte. Richtig, diese Schnullerbacke, die Jessica Simpson zuletzt verkörperte. Für den Fall, dass die Polizei unverhoffter Weise Verdacht schöpfen könnte, sei angeblich die Daisy Kostümierung das beste Mittel, um ein Ablenkungsmanöver einzuleiten, welches den Vorfall nicht als Sachbeschädigung, sondern als Vorstufe Erregung öffentlichen Ärgernisses auffassen ließe. Aha!
Ja klar, wenn es einem guten Zweck dient.












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Schöne Idee! Beim nächsten nächtlichen Streifzug mit meiner Daisy werde ich auch ein paar Samenbomben mitnehmen und unsere Nachbarschaft etwas “terrorisieren”!
Juni 1st, 2009
Reply to “Sag mir, wo die Blumen sind oder Guerilla Gardening”