Deutsches Haus


“Die Wohnung ist der Spiegel unserer Seele” (Zitat Wohnkosmetikerin). Solche Sätze versetzen in Angst und Schrecken, hockt man in seiner neuen Wohnung auf den unangetasteten Umzugskartons. Bereitet bereits der Kauf eines neuen T-Shirts Entscheidungsschwierigkeiten, scheint die zufriedenstellende Wahl einer Wandfarbe zwischen Fototapete, Wandschmuck und Rauhfasertapete unerreichbar.

Noch nie war das Zuhause ein derart wichtiger Teil der Selbstinszenierung, und noch nie gab es so viele Ratgeber, die einem dabei hineinreden wollen. Wie wir wohnen ist alles andere als unsere Privatangelegenheit. Im Gegenteil: Nichts spiegelt die Lage des Landes und die Lebenslügen seiner Bewohner zuverlässiger als die Einrichtungen der Deutschen.

Die Wohnung wandelte sich vom privaten Ort des Rückzugs zur öffentlichen Bühne der Selbstinszenierung.

Ein Buch zum deutschen Wohnwahnsinn und den Kampf um Wohn-Individualität sowie seine interessanten Ausuferungen des “wohnweltanschaulichen” Geschmacks nennt sich “Deutsches Haus - Eine Einrichtungsfibel” von Peter Richter.

Eine Einrichtungsfibel ist das Buch in der Tat nicht - daher beim Buchkauf immer brav den Klappentext lesen, denn nicht immmer ist drin, was draufsteht. Dafür erhält sein Leser eine amüsante Besichtigung der deutschen Wohnkonzepte über die vergangenen Jahrzehnte.

Wer also schon immer das Geheimnis der sozialtherapeutischen Wirkung von IKEA erfahren wollte und die biografische Auseinandersetzung mit dem Thema Immobilie und der Generation IKEA auf ironisch, witzig und absatzweise bitterböse Weise zu Gemüte führen möchte, aber keine Ratschläge für den Ausweg aus der eigenen Wohnkrise erwartet ist mit diesem Buch gut bedient!

Peter Richter: Deutsches Haus - Eine Einrichtungsfibel

Goldmann 2006, gebundenes Buch, 224 Seiten, ISBN-10: 3-442-30111-4, 18,00 Euro

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