
Der moderne Großstadtmensch läuft ständig Gefahr sich in der Anonymität zu verlieren. Nun lebt man jahrelang Tür an Tür und kennt vom Nachbarn vielleicht nur den Namen auf dem Klingelschild oder dessen schlechten Musikgeschmack. Ein nicht seltenes Phänomen, dem man eigentlich nicht weiter Beachtung schenkt.
Die Marktforschungsstudie der GIM „Delphi 2017 – Future Values“ prophezeit wie die Menschen in Zukunft denken, fühlen und handeln. Zwei Punkte, welche die gesellschaftliche Evolution bezeichnen, hab ich hier herausgegriffen:
· Die Menschen sind wieder bereit, sich auf soziale Gemeinschaft einzulassen, allerdings ohne zu viel Freiheit aufgeben zu wollen.
· Sie streben nach Unabhängigkeit in Gemeinschaft, nach einer “embedded individuality”.
· Die Menschen bilden situative Allianzen. Anstatt gegeneinander zu arbeiten, gehört die Zukunft dem Miteinander: Kooperation, Dialog und Vernetzung lauten die neuen Schlüsselprinzipien.
· “Creating Lifeholder Value” bedeutet, mehr Selbstbestimmung durch die aktive Gestaltung seiner Umwelt gemeinsam mit anderen.
Das sind zwei interessante Vorhersagen, die Rückschlüsse auf die zukünftige Bedeutung von Social Networks zulassen.
Wie das typische Nachbarschaftsverhältnis der Zukunft aussehen könnte, deutet sich bereits jetzt ab. Das US-Portal LifeAt versucht das nachbarschaftliche Miteinander innerhalb eines Wohnblocks zu fördern. Die New Yorker Firma spricht die Hausverwalter geeigneter Objekte direkt an. Die Exklusivität wird durch eine einmalige Startgebühr von 6000 Dollar gesichert, welche eine Homepage mit dem geeigneten Grundzeug zur Verfügung stellt. Die Nutzung ist passwortgeschützt. Die Inhalte sind von den Bewohnern selbst erstellt, werden allerdings von Mitarbeitern überprüft. Interessant scheint dies auch wiederum für zielgruppengerechte Werbung. Denn die Bewohner einer Wohngegend teilen sich einen gemeinsamen sozialökonomischen Hintergrund. Die Nachbarn können ihre Erfahrungen austauschen: über alltägliche Probleme wie der fehlenden Beleuchtung im Treppenhaus, der Wäscherei ums Eck oder dem letzten Restaurantbesuch. Sicherlich ist das eine Nachbarschaftshilfe, die sich manch Neuankömmling wünscht, um sich in seinem Umfeld zurechtzufinden.
So ist der Trump Plaza einer von 335 Gebäuden in den USA, die diese besondere Art der Nachbarschaftshilfe in Anspruch nimmt. Den lieben Nachbarn kennen lernen ohne ihn wirklich treffen zu müssen. Intime Anonymität.
Ein solches Netzwerk sollte jedoch nicht vor einem persönlichen Treffen schützen. Hat man den „passenden“ Nachbarn gefunden, der den Waschsalon in der Parallelstrasse empfiehlt hindert nichts daran, ihn bei einer Tasse Kaffe persönlich kennen zu lernen, während die Kleidungsstücke in der Wäschetrommel rotieren.












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Reply to “Dann klappts auch mit dem Nachbarn”