“be berlin”….was zunächst wie ein unbeholfenes Stottern beim Versuch den Namen unserer Hauptstadt auszusprechen wirken könnte, ist ab morgen ganz hochoffiziell der neue Claim für Berlin. Bitte englisch aussprechen, dann klingt das auch gleich ganz anders - irgendwie international und multikulturell. “Sei Berlin” lautet das Sprüchlein der Imagekampagne übersetzt. Ein Ausspruch mit Anspruch? Wenig intellektuell und irgendwie trivial stänkern die einen, “total kreativ” loben die anderen. Eines ist der Slogan, der Berlin als Marke nach außen attraktiv machen soll, in jedem Fall: knapp und bündig.
Sechs Monate lang hat ein ganzes Dutzend Marketing-Spezialisten Schwerstarbeit geleistet, um uns den knackigen Werbespruch mit Trommelwirbel zu präsentieren. Da sind die 10.6 Millionen für die Image-Kampagne gut investiertes Geld, wenn es denn die Investoren nach Berlin lockt.
Da bleibt nun noch die Frage, wie ist Berlin eigentlich? Und will ich überhaupt Berlin sein? Kommen sich die beiden Identitätsbekennungen “Du bist Deutschland” und “be berlin” nicht in die Quere? Bevor sich hier jemand in eine Identitätskrise stürzt, ein kurzer Blick auf die Konkurrenz:
- Singapore: City of Possibilities.
- New York: The Big Apple. The City That Never Sleeps.
- Las Vegas: What Happens Here Stays Here.
- Dallas: Live Large. Think Big.
- New Orleans: The Big Easy. Let The Good Times Roll.
- Paris: Ville Lumière (Stadt der Lichter).
- Rome: The Eternal City (die ewige Stadt).
- Copenhagen: Living is easy.
Jeder Claim arbeitet ein inhaltlich markantes Merkmal der Stadt heraus, so der Markenprofi Adjouri. Ausgangspunkt des kreativen Schaffensprozesses war der Arbeitstitel “Stadt im Wandel”. Drum musste ein Claim her, der die ganze Bandbreite umfasst. Berlin “ist” nicht einfach.
Und wer hat eigentlich mal die Berliner gefragt? Der Tagesspiegel und heraus gekommen sind folgende Leservorschläge: “Berlin - wir könnten auch freundlich” oder “Berlin - arm aber sexy”, der Slogan, den Wowi einst vorbereitete.
Wir sind gespannt und halten es mit den Souvenir-Verkäufern rund um den Checkpoint Charlie: “Ma kieken, was bei rum kommt.”












3 Comments, Comment or Ping
Wie sieht es mit dem Klang des Slogans aus? Für die Einprägsamkeit einer Aussage ist die sinnliche Anmutung mitentscheidend, vor allem, wenn er derart sinnleer daherkommt wie eben dieses “be berlin”. Gut finde ich die Alliteration - jeder Marketingstratege weiß, dass Konsonantenwiederholung am Wortanfang sinnvoll ist. Die zwei I-Laute deuten auf etwas Helles, Kleines oder auch Niedliches hin. Die Lautfolge Biberlin erinnert an etwas Niedliches, etwa einen kleinen Biber, ein flinkes Wiesel, ein knuddeliges Eisbärenbaby, oder auch an das dialekthafte “Biberle”, also ein schwäbisches Küken. Ist Berlin so klein und niedlich? Nun ja, vielleicht im Vergleich zu Mexiko-Stadt oder Moskau. Aber es passt einfach nicht zu dieser großen und selbstbewussten Stadtregion, es manifestiert sich hier eine Selbst-Verleugnung und Selbst-Verniedlichung, wie sie uns nicht gut ansteht. Der ausländische Tourist wird fragen: “Haben die das nötig? Da steckt doch was dahinter! Was wollen die von mir? Ich soll Berlin sein? Aber ich will doch die Stadt nur genießen, nicht mich zu ihr bekennen!” Psychologen belehren uns, dass derartige zwanghafte Selbstverkleinerung, die noch dazu durch die Kleinschreibung unterstrichen wird, nur die Kehrseite einer äußerst gefährlichen Allmachts- und Herrschaftsphantasie sein kann.
Januar 29th, 2009
Kiel: Nabel der Welt
:)
Januar 29th, 2009
Da schickt StumbleUpon mich hier auf die Seite, ich fang an zu lesen und denk “joaaaaar, Abo!” und Zack, was les ich? Der Winkelsen…der rumtreiber!
Hast auf jeden Fall nen neuen Leser!
Januar 29th, 2009
Reply to “be berlin - arm und sexy?”